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Charlotte Posenenske, "Work in Progress", 2019, installation view, Dia:Beacon, Beacon, New York. Courtesy of the Estate of Charlotte Posenenske, Mehdi Chouakri, Berlin, Peter Freeman, New York, Take Ninagawa, Tokyo and Sofie Van de Velde, Antwerp
Charlotte Posenenske

Work in Progress

Mudam Luxembourg zeigt eine umfassende Werkschau der deutschen Künstlerin Charlotte Posenenske. Charlotte Posenenske: Work in Progress zeichnet die Karriere einer einflussreichen, aber verkannten Künstlerin anhand von über 50 Arbeiten aus den Jahren 1956 bis 1968 nach. Die mit zahlreichen Leihgaben aus bedeutenden öffentlichen Sammlungen bestückte Ausstellung unterstreicht die Radikalität von Posenenskes Werk.

Mit Charlotte Posenenske: Work in Progress widmet das Mudam der Künstlerin die umfangreichste Retrospektive seit 1985. Posenenskes Skulpturen, Zeichnungen und Bilder zeichnen sich durch eine radikale Offenheit aus. In ihren von geometrischer Reduktion, Serialität und industrieller Fertigung geprägten Arbeiten entwickelte die Künstlerin in Entsprechung zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüchen der 1960er-Jahre eine Art industriellen Minimalismus, der sich dem Kunstmarkt verweigerte und die etablierten formalen und kulturellen Hierarchien ablehnte.

Die Ausstellung zeichnet Posenenskes künstlerischer Produktion über einen Zeitraum von zwölf Jahren nach, bis sie sich von der Kunst abwandte, um Arbeitssoziologie zu studieren. Posenenske, die zwischen 1956 und 1968 als Künstlerin in Deutschland tätig war, schuf Werke, die im Dialog mit den großen internationalen Kunstbewegungen ihrer Zeit standen, vom Informel über die Gruppe Zero bis hin zu Minimal Art und Konzeptkunst. 1968 wandte sie sich für kurze Zeit der Kunst im öffentlichen Raum zu, bevor sie das Herstellen und Ausstellen von Kunstobjekten gänzlich aufgab. In einer öffentlichen Erklärung meinte sie hierzu: „Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden, dass Kunst nicht zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme beitragen kann.“

Von Posenenskes ersten Experimenten mit Markierungen und Zeichnungen bis hin zu Wandreliefs und den späteren modularen Skulpturen umfasst die Ausstellung Originalprototypen, sowie mehr als 150 speziell für die Ausstellung angefertigte Elemente. Zu den Werken gehören Skulpturen aus den fünf industriell hergestellten Serien von modularen geometrischen Formen (Serien B, C, D, DW und E). Die von einer minimalistischen Ästhetik geprägten Einzelteile werden auf unterschiedliche Weise durch ihre „Konsumenten“ – so Posenenkes Bezeichnung für den Betrachter ihrer Arbeiten – aktiviert, die aufgefordert sind, sie kreativ neu zu kombinieren.

Posenenske verstand diese spielerisch angelegten Skulpturen mit ihren zahllosen Variationsmöglichkeiten als eine gemeinschaftliche Produktion zwischen der Künstlerin, die sie entwirft, den Arbeitern, die sie herstellen, und den Konsumenten, die sie in unterschiedlichen Kombinationen zusammenfügen. In der Ausstellung werden sie zusammen mit den monochromen Reliefs Serie B und C (1967) präsentiert, die gewölbt, gekippt und gefaltet, an der Wand befestigt oder auf den Boden gestellt werden können. Ebenfalls zu sehen sind Exemplare der Vierkantrohre Serie D und DW (1967/2018), die aus verzinktem Stahl beziehungsweise Pappe hergestellt sind und an industrielle Lüftungssysteme erinnern. Ein historischer Prototyp der Serie E (Series E, 1967-1968) wird zusammen mit einer Neuauflage dieser Arbeit präsentiert, Drehflügel Serie E (Revolving Vane Series E, 1967-68/2018), welche von den Besuchern bewegt werden kann – so wie in Posenenskes ursprünglichem Konzept vorgesehen. Zudem werden über dreißig frühe Arbeiten auf Papier sowie Wandreliefs zu sehen sein.

Kurzbiografie
Charlotte Posenenske (*1930, Wiesbaden; †1985, Frankfurt) studierte Anfang der 1950er Jahre Kunst in Stuttgart und arbeitete als Kostüm- und Bühnenbildnerin für regionale Theater in Lübeck und Darmstadt. Nach Experimenten mit verschiedenen Maltechniken und Aufträgen für Wandzeichnungen begann sie, Wandstrukturen zu entwerfen, die auf der Grenze zwischen Malerei und Skulptur stehen. 1967 begann sie mit der Massenproduktion von modularen und reproduzierbaren skulpturalen Einheiten, die mit einer Vielzahl von definierten Eigenschaften und Standardmaßen versehen waren. 1968 hörte sie gänzlich auf, Kunstobjekte herzustellen und auszustellen und widmete sich dem Studium der Arbeitssoziologie. Nach dem Tod der Künstlerin im Jahr 1985 erzielt ihre Arbeit seit einiger Zeit neue Aufmerksamkeit. So wurde sie unter anderem auf der Biennale von São Paulo (2012), im Palais de Tokyo in Paris (2010), im Artists Space in New York (2010), im Museum of Modern Art in New York (2009), auf der documenta 12 in Kassel (2007) und im MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (1990) präsentiert.

Credits

Kuratoren:
  • Jessica Morgan und Alexis Lowry
    Die Ausstellungspräsentation im Mudam wird kuratiert von Clément Minighetti
    Assistiert von Sarah Beaumont

Die Ausstellung Charlotte Posenenske: Work in Progress wird organisiert von der Dia Art Foundation in Beacon, New York, in Zusammenarbeit mit dem MACBA in Barcelona, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und dem Mudam Luxemburg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean.