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Josephine Pryde, "Your Secure and Private Path", 2015
Post-Capital

Group exhibition

Post-Capital vereint Skulpturen, Gemälde, Fotografien, Videos und Performances, die sich Themen der zeitgenössischen Ökonomie widmen. Dabei geht die Ausstellung, die in einer von Umbrüchen und Unsicherheit geprägten Zeit entwickelt wurde, von einer dem Kapitalismus zugrundeliegenden Ambivalenz aus: seiner Abhängigkeit von der Technologie und gleichzeitigen Bedrohung durch diese. Präsentiert werden die Arbeiten von rund zwanzig Künstlern aus 17 Ländern, die über mehrere Räume auf den drei Etagen des Museums verteilt sind.

Post-Capital zeigt aktuelle Werke von Ei Arakawa (*1977 in Iwaki), Mohamed Bourouissa (*1978 in Blida), Cao Fei (*1978 in Guangzhou), Simon Denny (*1982 in Auckland), Lara Favaretto (*1973 in Treviso), GCC (2013 in Dubai gegründetes Kollektiv), Guan Xiao (*1983 in Chongqing), Shadi Habib Allah (*1977 in Jerusalem), Roger Hiorns (*1975 in Birmingham), Oliver Laric (*1981 in Innsbruck), Liz Magic Laser (*1981 in New York), Katja Novitskova (*1984 in Tallinn), Laura Owens (*1970 in Euclid, Ohio), Yuri Pattison (*1986 in Dublin), Sondra Perry (* in Perth Amboy, New Jersey), Josephine Pryde (*1967 in Alnwick), Nick Relph (*1979 in London), Cameron Rowland (*1988 in Philadelphia), Hito Steyerl (*1966 in München), Martine Syms (*1988 in Los Angeles) und Nora Turato (*1991 in Zagreb).

Der Titel der Ausstellung ist dem Buch Post-Capitalist Society (1993) von Peter Drucker entlehnt, in dem der Autor vorhersagt, dass die Auswirkungen der Informationstechnologie auf den Arbeitsmarkt noch vor 2020 zum Fall des Kapitalismus führen werden. In einer Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckt (Luxemburg beispielsweise wurde erst 1992 an das WWW angebunden), prophezeit er, dass Kapital, Arbeit und Boden als Grundstock des Reichtums langfristig durch Wissen ersetzt werden.

Ob Arbeitsformen, Zahlungsmittel, Produktion, Handel oder Konsum: der technologische Fortschritt hat alle Wirtschaftsbereiche grundlegend verändert. Die Global Player der digitalen Technologie und des E-Commerce machen heute den weitaus größten Teil der Marktkapitalisierung aus. Daten, eine im Überfluss vorhandene und unendlich reproduzierbare Ware, sind zu einem kostbaren Handelsgut geworden, das sich den auf Verknappung beruhenden traditionellen wirtschaftlichen Prinzipien entzieht. Die Arbeiten in Post-Capital untersuchen die Widersprüche, Anomalien und ethischen Probleme, die mit dem postindustriellen Zeitalter und postkapitalistischen Ökonomien einhergehen.

Die Ausstellung wurde speziell mit Blick auf Luxemburg konzipiert, eine europäische Hauptstadt, die für ihren starken Finanzsektor bekannt ist und in der die digitale Wirtschaft auch ein strategisch wichtiges Thema ist. Das Museum ist zudem knapp fünfzig Kilometer vom Geburtsort des Philosophen und Ökonomen Karl Marx (* 1818 in Trier; † 1883 in London) entfernt, dessen Hauptwerk Das Kapital (1867) den Kapitalismus als ein dynamisches Wirtschaftssystem beschreibt, das zur Selbstzerstörung neigt.

Die Werke von Cao Fei, Simon Denny, Liz Magic Laser und Cameron Rowland erforschen den zeitgenössischen Arbeitsmarkt am Beispiel automatisierter Logistikzentren und Lagerhäuser, der digitalen Platformen, die Selbständige anwerben und biometrischer Uhren. Ei Arakawas LEDGemälde, die Videoinstallationen von Mohamed Bourouissa und Yuri Pattison und die Fotografien von Shadi Habib Allah befassen sich mit sogenannten „Tauschmitteln“, von der Münzprägung in der Monnaie de Paris und der Herstellung von Bitcoins im ländlichen China bis hin zum illegalen Tauschhandel von Essgutscheinen für (unter anderem) Zigaretten oder Telefonkredite in Lebensmittelgeschäften in Miami. Die Arbeiten von GCC, Guan Xiao und Roger Hiorns thematisieren das Phänomen des Überkonsums und der Überproduktion, während die Skulpturen von Katja Novitskova die sogenannte „Aufmerksamkeitsökonomie“ in einer informationsgesättigten Gesellschaft humorvoll hinterfragen. Oliver Laric reproduziert Kunstwerke aus Museen weltweit, die er über seine Online-Plattform threedscans.com in Form von kostenlos herunterladbaren und urheberrechtsfreien digitalen Scans verfügbar macht, während die Installation von Hito Steyerl das Phänomen der Zollfreizonen mit der landwirtschaftlichen Produktion in Gemeinschaftsgärten verknüpft.

Die Ausstellung wird von einem Katalog mit einem Essay der Kuratorin sowie Abbildungen und Texten zu den ausgestellten Werken begleitet. Die Publikation ist einem Handbuch ähnlich in drei Kapitel – „Produktion“, „Verbrauch“ und „Reichtum“ – unterteilt und enthält zudem eine Auswahl von Texten von führenden Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Kunst und Kultur.

Credits

Kuratorin:
  • Michelle Cotton
    Assistiert von Nelly Taravel und Joel Valabrega