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Jutta Koether

Jutta Koethers (*1958, Köln) Malerei befragt beständig die Bedingungen ihrer eigenen Herstellung; sie ist ein Ort der Reflexion über das Schauen und darüber, wer wie und wann schaut. Ihr Werk ist von historische Bedeutung, als eines gegenläufigen zummeist männlich dominierten Kanon der Moderne und der Postmoderne, wie auch ihre Vorstellung von der zeitgenössischen Malerei als eingebunden in ein Geflecht aus sozialen, kulturellen und historischen Bezügen.

Berlin Boogie (Bruised Grid #7) (2016) von Jutta Koether (*1958, Köln) besteht aus fünf­und­dreißig quadratischen Bildern gleicher Größe, die an der Wand in einer Rechteck- oder Dreieckformation angebracht werden können. Die Arbeit gehört zu einer Gruppe von mehrteiligen Werken, die sich aus kleinformatigen Gemälden zusammensetzen und die, aus einem meditativen Suchen heraus, in Farbvariationen zur Hautfarbe in ähnlich wiederholender Weise gemalt wurden. Während einer schwierigen Lebensphase im Jahr 2000 stellte Koether die Kunst und ihre eigene künstlerische Tätigkeit in Frage. 512 Tage lang beschränkte sie sich darauf, täglich die Karos eines einzigen Blattes Papier mit roten Farbstiften zu kolorieren. Dies führte zu dieser Reihe, in der sich die Idee verdichtet, die vergangene Zeit zu sammeln. Das weiterentwickelte ursprünglich kolorierte Karoraster verwandelte sich schließlich in eine Pixellierung des malerischen Eingriffs. Die Bruised Grids (Raster mit blauen Flecken) genannten Muster zeugen jedoch nicht allein von den Verletzungen. Sie fanden später als „Hingucker“ ihren Weg in die figürlichen Bilder der Künstlerin.

Das Gemälde Foolish Fire (1999) erinnert an die neoexpressionistischen Maler, die die Kölner Kunstszene der 1980er-Jahre dominierten, und ist damit charakteristisch für Koethers Vorgehen: Die Künstlerin bedient sich diverser Strömungen der Kunstgeschichte, um Stereotype wie etwa das des genialischen männlichen Malers infrage zu stellen. Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Malerei nimmt eine zentrale Position in Koethers Werk ein und dient ihr als Möglichkeit zur spielerischen Umgestaltung des alten Kanons zu einem neuen. Mit Foolish Fire schreibt Koether sich buchstäblich selbst in den männ­lichen historischen Kanon ein, indem sie die subtilen Umrisse eines weiblichen Gesichts am äußeren linken Rand der Leinwand einfugt. Die lateinische Übersetzung von „foolish fire“ lautet ignis fatuus – lrrlicht. Dies wiederum bezeichnet im Volksglauben ein über Sümpfen und Mooren flackerndes Licht, das Wanderer in die lrre führt. Außerdem könnte der Titel eine Anspielung auf den Begriff „friendly fire“ sein, mit dem man den irrtümlichen Beschuss verbündeter oder neutraler Truppen bezeichnet.

Kunstwerke

  1. Jutta Koether Berlin Boogie (Bruised Grid #7), 2016

    Ensemble de 35 peintures
    Acrylique sur toile et bois
    30 x 30 cm chacune
    Collection Mudam Luxembourg
    Acquisition 2018
    © Photo : Rémi Villaggi / Mudam Luxembourg

  1. Jutta Koether, "Foolish Fire", 1999, Collection Mudam Luxembourg
    Jutta Koether Foolish Fire, 1999

    Acrylique, peinture aérosol et stylo sur toile
    251 x 361 cm
    Collection Mudam Luxembourg
    Acquisition 2019
    © Photo : Rémi Villaggi | Mudam Luxembourg

  1. Jutta Koether, "Untitled", 2006, Collection Mudam Luxembourg, Courtesy de l’artiste et Galerie Buchholz, Berlin / Cologne / New York
    Jutta Koether Untitled, 2006

    Acrylique, encre métallique, punaises, résine époxy sur toile
    50,5 x 50,5 cm
    Collection Mudam Luxembourg
    © Jutta Koether
    Courtesy de l’artiste et Galerie Buchholz, Berlin / Cologne / New York

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