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Andrea Bowers

Andrea Bowers (1965, Wilmington, USA)‘ Werke sind untrennbar mit ihrem Aktivismus verbunden. Ihr umfangreiches Archiv über die US-amerikanische Gesellschaft und ihre Beziehungen zu verschiedenen aktivistischen Kreisen bilden häufig den Ausgangs- punkt für ihre Arbeit. Waffengesetze, Bürgerrechte, Arbeiterbewegungen, Immi- grationsrechte, globale Erwärmung und öko-feministische Anliegen sind ihre Forschungsgebiete, die sie mit einem Interesse an zivilem Ungehorsam und Pazifismus verbindet. Defense of Necessity (2003) bezieht sich auf die „Women’s Pentagon Action“, die 1980 ungefähr 2.000 Frauen nach Washington, D.C. brachte, sowie auf das „Greenham Common Women’s Peace Encampment“ von 1981, in der Nähe des gleichnamigen Luftwaffenstützpunkts der Royal Air Force in Südengland. Der Einsatz von Webarbeiten während dieser Proteste gegen Atomwaffen wurde zu einem Modus Operandi. Das textile Material der Arbeit und die gestickten Motive spiegeln dies wider und dienen als Metaphern für die Resilienz von Frauen angesichts von Macht. Das Kunstwerk dient als Barriere im Ausstellungsraum. Es wird von einem Buch und zwei fotorealistischen Zeichnungen begleitet, die historische Bilder reproduzieren. Der Titel bezieht sich auf den juristischen Ausdruck der „Notwehr“, mit dem unrechtmäßige Handlungen damit gerechtfertigt werden, dass sie noch schwerere Folgen ver- hindern. Er spiegelt die tiefe Überzeugung der Künstlerin, dass es unerlässlich ist, für gerechte Anliegen einzutreten, und weist auch auf die inhärenten Widersprüche des zivilen Widerstands hin, bei dem die Grenze zwischen friedlicher und gewaltvoller Handlung oft verschwimmt. In diesem Sinne ist das kleine, gezeichnete Selbstporträt Mug Shot (2013) eine originalgetreue Wiedergabe eines Fotos der Künstlerin. Das Foto wurde in Kalifornien aufgenommen, als sie verhaftet wurde, weil sie sich für die Rettung von Eichen eingesetzt hatte, die gefällt werden sollten.

Auch Andrea Bowers' Radical Feminist Pirate Ship Tree House Platform (2013) ist ein Aufruf zu Widerstand und Aktivismus. 2011 wurde Bowers in Kalifornien wegen „Tree Sitting“ verhaftet, einem Akt des zivilen Ungehorsams, bei dem Demonstrant·innen in einem Baum sitzen, meist auf einer zu diesem Zweck gebauten kleinen Plattform. Bei dieser Aktion, die sich gegen die Abholzung einheimischer Eichenwälder richtete, traf die Künstlerin auf einen erfahrenen Baumsitzer, der die letzten sechs Jahre auf alten Mammutbäumen in Kalifornien gelebt hatte. Als Bowers den Aktivisten nach seinem besten Baumsitz fragte, kam es über sie: „All meine Frustrationen, Unsicherheiten und die Ungleichheiten, die das Leben in einer patriarchalischen Kultur mit sich bringt, schlugen über mir zusammen, als ich dieses eine Wort von ihm hörte: Piratenschiff. Natürlich war ich zunächst verärgert und gar nicht amüsiert. Typisch Mann, dachte ich. Doch irgendwie war es so offensichtlich, dass ich selbst nie darauf gekommen wäre.“ Das Werk, das gemeinsam mit diesem altgedienten Baumsitzer gebaut wurde, ist ein Symbol der Solidarität. Ein Auszug aus dem 1996 erschienenen Essay „Sin Big“ der umstrittenen Pionierin und Feministin Mary Daly (1928, Schenectady – 2010, Massachusetts) füllt die Segel des Schiffes: „Seit meiner Kindheit habe ich an meinen Fähigkeiten gefeilt, das Leben einer radikalen feministischen Piratin zu kultivieren.“ Dieser Essay ist für Bowers ein Schlachtruf, sie war beeindruckt von Dalys Erklärung des Ursprungs des Wortes „Sünde“, das sich von der indoeuropäischen Wurzel „es“ ableitet, was „Sein“ bedeutet: „Als ich diese Etymologie entdeckte, verstand ich intuitiv, dass für eine Frau, die im Patriarchat, der eigentlichen Religion auf unserem Planeten, gefangen ist, „zu sein“ im wahrsten Sinne des Wortes „sündigen“ bedeutet.

Kunstwerke

  1. Andrea Bowers, ‘Defense of Necessity’, 2003. Acier, tissu, fils. Collection Mudam Luxembourg. Donation 2023 – Gaby et Wilhelm Schürmann avec le soutien des membres du Cercle des collectionneurs du Mudam Luxembourg. Vue de l’exposition ‘Radio Luxembourg: Echoes across borders’, Mudam Luxembourg. Photo : Mareike Tocha © Mudam Luxembourg
    Andrea Bowers Defense of Necessity, 2003

    Acier, tissu, fils
    231 x 785 cm (tissu)
    Collection Mudam Luxembourg
    Donation 2023 – Gaby et Wilhelm Schürmann avec le soutien des membres du Cercle des collectionneurs du Mudam Luxembourg
    Vue de l’exposition Radio Luxembourg: Echoes across borders, 04.04.2025 — 11.01.2026, Mudam Luxembourg
    Photo : Mareike Tocha © Mudam Luxembourg

  1. Andrea Bowers, ‘Radical Feminist Pirate Ship Tree Sitting Platform’, 2013. Bois recyclé, corde, mousquetons. 203 x 749 x 152 cm. Collection Mudam Luxembourg. Donation 2023 – Gaby et Wilhelm Schürmann avec le soutien des membres du Cercle des collectionneurs du Mudam Luxembourg. Vue de l’exposition ‘A Model’, Mudam Luxembourg © Photo : Mareike Tocha | Mudam Luxembourg
    Andrea Bowers Radical Feminist Pirate Ship Tree Sitting Platform, 2013

    Bois recyclé, corde, mousquetons
    203 x 749 x 152 cm
    Collection Mudam Luxembourg
    Donation 2023 – Gaby et Wilhelm Schürmann avec le soutien des membres du Cercle des collectionneurs du Mudam Luxembourg
    Vue de l’exposition A Model, Mudam Luxembourg, 09.02 – 08.09.2024
    © Photo : Mareike Tocha | Mudam Luxembourg

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