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Lutz & Guggisberg

The Forest

Andres Lutz, der Kabarettist und Anders Guggisberg, der Musiker, arbeiten seit 1996 gemeinsam als Künstlerduo und schaffen Werke der vielfältigsten Art: Malerei, Skulptur, Installation, Video und Fotografie gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Performances oder eine kontinuierlich anwachsende falsche Bibliothek. In Zürich ansässig, stehen Lutz & Guggisberg in der Tradition des dort erfundenen Dadaismus oder des anderen berühmten Zürcher Künstlerduos, Fischli/Weiss.

Ihre Ausstellung im Mudam bildet eine zu einem komplexen Ensemble verschmolzene Kombination von jüngeren Werken, die, umgeben von einem das Raumganze zusammenfassenden Wandgemälde, sich der Geordnetheit des musealen White Cube widersetzen. Voller Ironie und abgründigem Humor spielen die Arbeiten von Lutz & Guggisberg mit einer Fülle von subtilen Anspielungen aus Kunst, Literatur und Wissenschaften und bieten sich als eine lockere, nicht unbedingt zusammenhängende Erzählung an. Meist mit einfachen Mitteln hergestellt, halten sie gern ein Überraschungsmoment vor, bei dem einem das Lachen oft im Halse stecken bleibt. Die Spannung zwischen Natur und Kultur, zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit und den Klischees hiervon bilden ein Leitmotiv ihrer Arbeiten.

© Views of the exhibition Lutz & Guggisberg . The Forest, 06.07.2013 – 19.09.2014, Mudam Luxembourg Photos : Rémi Villaggi
Die Wandmalerei gibt hier den Rahmen einer artifiziellen Landschaft vor. Sie ist bevölkert von merkwürdigen Wesen, wie z. B. von einer Herde eiförmiger Gipsskulpturen, die sich an der Wand entlang drückt. Dieser ironischen Paraphrase auf die moderne Skulptur schließt sich die große Holzschleife an, die ohne Sockel im Raum schwebt und den Blick des Betrachters auf eine Achterbahnfahrt führt. Emsige Ikebanaameisen bilden eine Straße quer durch den Raum, während eine Reihe von künstlichen Bäumen aus Holzresten und Besenstielen auf den Frühling zu warten scheint. Auch das an die Wand gelehnte große Glas bietet in der Art eines Sandbildes Blicke auf eine verblüffende Landschaft aus Atelierstaub und -müll. Ähnlich verwirrend und doch gänzlich unterschiedlich in der Technik sind die nur schwer fokussierbaren Fotolithographien der Strunke, deren Spiegeleffekt geradezu den Titel der anderen Fotoserie vorwegnimmt. In Loch im Spiegel gelangt der Betrachter durch visuelle Wurmlöcher in ein absurd-lakonisches Wunderland, dessen ironisch-vielschichtiger Unterton gut den Blick der Künstler repräsentiert. Auch die Videos bewegen sich im Grenzbereich der Wahrnehmbarkeit und des Absurden. Ob nun als kaum sichtbarer Mann im Schnee, als Möckli oder als Höhlenforscher in den Tiefen eines Bildarchivs, die Protagonisten mühen sich mit großer Ernsthaftigkeit um ihre Ziele. Galaxy Evolution Melody schließlich gibt in der klassischen Form des Triptychons in ironischer Brechung die formale Strenge in der Entwicklung modernistischer Abstraktion wieder.

Lutz & Guggisbergs inhaltlich wie auch formal von schrägem Humor getragene Arbeiten sind trotz aller scheinbar herrschenden Anarchie präzise konstruiert und choreografiert. Ihre schalkhafte Nachdenklichkeit erlaubt gleichermaßen eine von der Leichtigkeit geprägte Lektüre, wie sie auch eine in tiefere Bedeutungsschichten dringende Betrachtung nahe legt. Dem Erkenntnisgewinn steht der Witz nicht im Wege.

Andres Lutz wurde 1968 in Wettingen (Schweiz) geboren. Anders Guggisberg wurde 1966 in Biel (Schweiz) geboren. Sie leben und arbeiten in Zürich.





Credits

Kurator:
  • Clément Minighetti