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Sung Tieu, Zugzwang
Sung Tieu

Einzelausstellung

Sung Tieu (1987, Hai Duong, Vietnam) wurde eingeladen, eine neue Ausstellung für den Henry J. und Erna D. Leir Pavillon im Mudam zu konzipieren. In ihren immersiven Installationen arbeitet die Künstlerin mit Skulptur, Zeichnung, Text und Klang, um die in institutionellen Strukturen und Systeme eingebetteten visuellen Codes freizulegen und so gängige Vorstellungen von Gleichheit, Governance und individueller Freiheit zu hinterfragen.

Die Arbeit von Sung Tieu verbindet ein ausgeprägtes Interesse an sprachlichen und ästhetischen Codes mit einer rigorosen, analytischen Herangehensweise an die in ihr verhandelten Themen. Die Ausstellungen der Künstlerin sind oftmals das Resultat eingehender Recherchen, die sie mit autobiografischen Details ergänzt und verschränkt. In ihren früheren Projekten befasste sie sich beispielsweise mit den Arbeits- und Lebensbedingungen der vietnamesischen Vertragsarbeiter in der DDR der 1980er Jahre oder den bürokratischen Prozessen der Asylsuche in der heutigen Gesellschaft. Ein weiterer Werkkorpus korreliert den Einsatz von Psycho- oder Schallwaffen im Vietnam der 1970er Jahre mit dem sogenannten Havanna-Syndrom, das die Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Kuba 2016 erfasste. In all diesen Projekten untersucht die Künstlerin unter anderem, wie Industriedesign für soziale oder politische Kontrollzwecke genutzt wird.

Das Motiv der Abstraktion ist in ihren Arbeiten sowohl in Form von kunsthistorischen Verweisen wie auch als organisierende Kraft präsent, mit der Informationen verarbeitet und gefiltert werden, um Gleichheit und Ordnung anstelle von Differenz und Chaos zu schaffen. Dabei wird die Ästhetik der Kunst und des Designs des späten 20. Jahrhunderts häufig mit zeitgenössischen Praktiken der Datenerhebung und -manipulation in Verbindung gebracht, um Themen wie Migration, Vertreibung und Identität zu thematisieren.

Tieu wird eine neue Ausstellung für den von Ieoh Ming Pei (1917, Guangzhou — 2019, New York) entworfenen ikonischen Henry J. und Erna D. Leir Pavillon konzipieren. Die Präsentation im Mudam ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in einem musealen Kontext außerhalb Deutschlands.

Biografie
Sung Tieu (1987, Hai Duong, Vietnam) studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg sowie am Goldsmiths College und an der Royal Academy of Arts in London. Sie hatte Einzelausstellungen im Kunstmuseum Bonn, in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (2021), im Nottingham Contemporary und im Haus der Kunst in München (2020). Ihre Arbeiten sind Teil der 34. Biennale von São Paulo und waren in Gruppenausstellungen im Museion in Bozen, in der Kunsthalle Basel (2021), im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, im GAMeC in Bergamo, im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin (2020) und im Kunsthaus Hamburg (2019) zu sehen. Sie erhielt den Frieze Artist Award 2021 und den Ars-Viva-Kunstpreis 2021 und ist nominiert für den Preis der Nationalgalerie 2021, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Credits

Ort:
Mudam Henry J. und Erna D. Leir Pavilion
Kuratorin:
  • Michelle Cotton, assistiert von Clémentine Proby