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Exhibition view, ‘Sylivie Blocher. S'inventer autrement’, Mudam Luxembourg. Photo: Rémy Villaggi © Mudam Luxembourg
Sylvie Blocher

S’inventer autrement

Seit Anfang der 1990er Jahre entwickelt die franzësische Künstlerin Sylvie Blocher ein Werk im Bereich der Videokunst, in dessen Mittel-punkt der Mensch steht – ein unstetes und unberechenbares Thema, von dem jedoch eine außerordentliche Prasenz ausgeht. Blocher leitet eine „Poetik der Beziehung“ und der Emanzipierung ein, sie hinterfragt die Selbstbilder, die Geschichtsschreibung, das Weibliche im mannli-chen Kërper und die Darstellungscodes in einer Welt der Überwachung. Ihre in den unterschiedlichsten geograischen Kontexten (Europa, Nord-amerika, Brasilien, Indien, China usw.) realisierten Werke basieren stets auf dem Modus des Gebens und Nehmens, indem sie die Mitwir-kung von Außenstehenden einbeziehen, die aufgefordert werden, das Wort zu ergreifen oder vor der Kamera zu agieren. Auf diese Weise teilt die Künstlerin ihre „Autoritat“ mit den „Modellen“ um das zu erschaf-fen, was sie Living Pictures, also „lebendige Bilder“ nennt.

Im Zentrum ihrer für das Mudam konzipierten Ausstellung steht das ehrgeizige Projekt Dreams Have a Language – eine Verbindung aus einem Werk mit Publikumsbeteiligung, einer Videoinstallation und einer Filmproduktion. Wahrend der ersten Wochen der Ausstellung wird der Grand Hall des Museums in ein auf Hochtouren arbeitendes Filmstudio verwandelt, das um eine Flugmaschine herum errichtet wird. Mit Hilfe einer in den Medien verbreiteten Anzeige ladt Sylvie Blocher jeden, der es wünscht, dazu ein, ins Museum zu kommen, um sich vom Erdboden zu lësen und „die Welt neu zu denken“. Die Bilder dieser schwebenden Kërper werden in einer in der Ausstellung zu sehenden Videoinstalla-tion übertragen, wahrenddem die Begegnungen mit den Teilnehmern der Ausgangspunkt für einen Film sind, in dem sich Dokumentarisches und Fiktionales miteinander vermischen. Dieser Film entsteht in Zu-sammenarbeit zwischen Blocher und Donato Rotunno; seine Urauffüh-rung ist für Frühling 2015 vorgesehen.

In den beiden Galerien im Untergeschoss entfaltet sich die Ausstellung in einer Reihe von rund zehn Werken aus jüngerer Zeit, die verschie-dene zentrale Fragestellungen der Arbeit von Sylvie Blocher in den Vordergrund rücken: die Einzigartigkeit, die Identitat, das Anderssein, die Kraft der Fantasie, das Thema der „verschwendeten Zeit“ oder das-jenige von der „Aufteilung der Verantwortung“ zwischen der Künstlerin und den Personen, die sie ilmt. Die fünf Videos, die die Serie Speeches (2009–2012, Sammlung Mudam) bilden, beschaftigen sich, indem sie wichtige Reden und Manifeste der aktuellen Geschichte auf musikali-schem Weg neu beleben, mit der politischen Dimension der Fantasie. Andere Werke, wie das Diptychon Change the Scenario, (Conversation with Bruce Nauman) (2013) oder die drei Videos, die die Künstlerin erst kürzlich in Texas realisiert hat, greifen die historischen und zugleich konflikttrachtigen Aspekte bei der Konstruktion der Persënlichkeit auf. Als Prolog zu jeder Galerie betont jeweils eine Serie von Zeichnungen, die die Künstlerin über ein Jahr hinweg taglich auf den Titelseiten der Zeitung Libération ausgeführt hat, die Art und Weise, wie sich in ihrer Praxis ein standiger Wechsel zwischen den Bereichen des Privaten und des Politischen vollzieht.

Credits

Kurator:
  • Enrico Lunghi

Ausstellungspartner:
  • BGL BNP Parisbas

Die Ausstellung Sylvie Blocher. S’inventer autrement wurde in Zusammenarbeit mit dem Centre régional d’art contemporain Languedoc-Roussillon in Sète und mit Unterstützung des Institut français du Luxembourg realisiert.

Das Projekt Dreams Have a Language wurde in Zusammenarbeit mit Tarantula Luxembourg und unter Beteiligung des Fonds national de soutien à la production audiovisuelle du Grand-Duché de Luxembourg umgesetzt.