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David Wojnarowicz, "Untitled (Genet after Brassaï)", 1979. Private collection
David Wojnarowicz

History Keeps Me Awake at Night

Dichter, Schriftsteller, Maler, Fotograf und Musiker: David Wojnarowicz (1954–1992) war neben Künstlern wie Nan Goldin, Keith Haring und Peter Hujar einer der herausragendsten Vertreter der New Yorker Underground-Szene der 1980er-Jahre. Das Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean präsentiert die erste Retrospektive seines Werkes in Europa. Die Ausstellung, die vom Whitney Museum of American Art initiiert wurde und deren Organisation in Zusammenarbeit mit dem Museo National Centro de Arte Reina Sofia erfolgt, umfasst 140 Arbeiten des amerikanischen Künstlers.

Seit Beginn seiner Laufbahn in den 1970er-Jahren vereinte David Wojnarowicz in seinem Werk Fotografie, Malerei, Musik, Bildhauerei, Schriften und Aktivismus. Im New Yorker Underground tauchte der Autodidakt in den 1980er-Jahren und damit in einer Zeit auf, da eine ungeheure kreative Energie die Szene belebte. Gleichzeitig war die wirtschaftliche Situation prekär, und die Kulturlandschaft befand sich in einem tiefgreifenden Wandel. Das Zusammentreffen verschiedener Bewegungen – Graffiti, No Wave und New Wave, Konzeptfotografie, Performance und Neo- Expressionismus usw. – machte die Stadt zu einem einzigartigen künstlerischen Labor. David Wojnarowicz verweigerte sich der Zuordnung zu einem konkreten Stil, er arbeitete, stets radikal in einer Vielzahl von Techniken.

Für David Wojnarowicz war die Gestalt des outsider, des Außenseiters, ein schier unerschöpfliches Thema. Selbst HIV-positiv, machte er sich zum Sprachrohr von Menschen mit HIV-Infektion in einer Zeit, als, bedingt durch die Untätigkeit der Regierung, immer mehr seiner Freunde und Liebhaber, aber auch Unbekannte an der Krankheit starben. Sein Werk dokumentiert und erhellt ein finsteres Kapitel der US-amerikanischen Geschichte: die Zeit der AIDS-Krise und der kulturellen Konflikte der 1980er- und der frühen 1990er-Jahre. Gleichzeitig tat er es den großen Bilderstürmern der US-amerikanischen Gesellschaft gleich, die wie die Schriftsteller Walt Whitman und William D. Burroughs die amerikanischen Mythen, ihren Fortbestand, ihr neuerliches Erstarken und ihre Brutalität zum Thema machten. Wie sie beschäftigte sich David Wojnarowicz mit zeitlosen Fragen rund um Sexualität, Spiritualität, Liebe und auch Verlust. „Das Private öffentlich zu machen ist ein Akt, der zahllose Formen annehmen kann”, schrieb er.

„Mit Zorn und Schönheit hat David Wojnarowicz einer Kunst Leben eingehaucht, die Macht kritisch in den Blick nimmt und hinterfragt, warum bestimmte Leben sichtbar sind und andere verborgen bleiben.” – David Breslin, Ko-Kurator der Ausstellung

Kurzbiografie

David Wojnarowicz (1954-1992) lebte und arbeitete in New York. Sein Werk war bereits Gegenstand zahlreicher persönlicher Ausstellungen vor allem in der Galerie P.P.O.W in New York und in Institutionen wie der Fondation Cartier in Paris (1986), The Kitchen in New York (1989), der Gallery 44 Centre for Contemporary Photography in Toronto (1996), dem New Museum in New York (1999) und dem Between Bridges in Berlin (2006). Weiterhin war er Teilnehmer von Gruppenausstellungen und internationalen Kunstschauen wie den 41. Rencontres d’Arles (2010) und der 10. Biennale von Gwangju (2014). Seine Werke finden sich in zahlreichen internationalen Sammlungen, etwa im MoMA, dem Virginia Museum of Fine Arts, dem Tel Aviv Museum of Art, dem Art Institute of Chicago, der Rubell Family Collection in Miami und der Broad Art Foundation in Los Angeles. 1991 wurde der Künstler mit dem Louis Comfort Tiffany Award ausgezeichnet.

Credits

Kuratoren:
  • David Breslin
    David Kiehl

Die Ausstellung David Wojnarowicz. History Keeps me Awake at Night wurde organisiert vom Whitney Museum of American Art, New York, in Zusammenarbeit mit Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean und Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía.