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Dayanita Singh, "Let’s See", 2021 © Dayanita Singh
Dayanita Singh

Dancing with my Camera

Dayanita Singh (1961, Neu-Delhi) entwickelt seit vier Jahrzehnten ein genreübergreifendes Werk, in dem sie die Grenzen des Mediums Fotografie auslotet. Dancing with my Camera ist die umfangreichste Ausstellung, die der indischen Künstlerin bisher gewidmet wurde. Sie lässt ihr gesamtes Werk Revue passieren, von ihrem ersten Fotoprojekt über die Klangwelt des indischen Perkussionisten Zakir Hussain (1951, Bombay) bis hin zu jüngeren Arbeiten wie Let’s See (2021), die auf der Form des Foto-Kontaktbogens beruht. Die Ausstellung zeugt vom formalen Erfindungsreichtum, die Singhs Arbeit auszeichnet, und spiegelt ihre singuläre Sichtweise auf Themen wie Archive, Musik, Tanz, Architektur, Tod, Geschlecht oder Freundschaft.

Sing begreift Fotografie keineswegs als unbewegliches Bild, sondern als „Materie“ – als Ausgangspunkt, der dem „Wo“ und „Wann“ der Aufnahme weniger Bedeutung zumisst als dem Eindruck, den sie im Zusammenspiel mit anderen Bildern in der Erfahrung des Betrachters im Hier und Jetzt hinterlässt. Anhand eines einzigartigen Editingprozesses, bei dem der Intuition eine große Bedeutung zukommt, wählt die Künstlerin Bilder aus ihren Archiven aus, die sie anschließend miteinander verbindet, kombiniert und neu interpretiert. Dabei entstehen mobile Assemblagen in denen sie unterschiedliche Epochen, Orte, Personen, Architekturen, Motive und Objekte ineinanderfließen lässt. Singh ist vor allem bekannt für ihre Künstlerbücher, die einen wesentlichen Teil ihres Schaffens ausmachen und sich als eigenständige Ausstellungsräume verstehen. In ihnen experimentiert die Künstlerin mit unterschiedlichen fotografischen Präsentationsformen, geleitet von der Idee, dass Bücher es vermögen, über Zeit und Raum hinweg zu zirkulieren und eine privilegierte, intime Beziehung mit dem Leser zu knüpfen.

Seit den frühen 2010er Jahren arrangiert Singh ihre Bilder innerhalb von modularen Holzstrukturen, die sie als „Fotoarchitekturen“ bezeichnet. Dieses Verfahren ermöglichte es ihr, eine eigenständige fotografische Praxis zu entwickeln, die auf dem Prinzip der Montage basiert und die narrativen Möglichkeiten ausschöpft, die sich aus der Gegenüberstellung von Bildern ergeben. Dies hat insbesondere zur Entstehung einer Reihe von „Museen“ wie dem File Museum (2012), dem Museum of Chance (2013) oder dem Museum of Tanpura (2021) geführt, die sich in unterschiedlichen Zusammenstellungen anordnen lassen und einen schnellen Wechsel der bildlichen und räumlichen Konstellationen ermöglichen. Diese Arbeiten, in denen die Funktionsprinzipien der Ausstellung und des Archivs zusammenfallen, laden d n Betrachter ein, sich frei um sie herum zu bewegen – zu „tanzen“ –, um die Bilder zu erfahren.

Biografie
Dayanita Singh (1961, Neu-Delhi) hatte Einzelausstellungen im Minneapolis Institute of Art (2021), im Tokyo Photographic Art Museum (2017), in der Tate Modern in London (2017), im Dr. Bhau Daji Lad Museum in Bombay (2016), in der Fondazione MAST in Bologna (2016), im Kiran Nadar Museum of Art in Delhi (2015), am Art Institute of Chicago (2014) und in der Hayward Gallery, Southbank Centre in London (2013). 2022 erhielt sie den Hasselblad Award, 2018 den International Center of Photography Infinity Award. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen von bedeutenden Institutionen wie dem Centre Pompidou in Paris, der K21 – Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, dem Moderna Museet in Stockholm und dem SFMOMA in San Francisco. Sie lebt und arbeitet in Delhi.

Credits

Ort:
Mudam Ausstellungsräume Ebene 0
Im Rahmen der:
  • 9. Ausgabe des Europäischen Monats der Fotografie Luxemburg

Kuratorin:
  • Stephanie Rosenthal

Kurator für die Präsentation im Mudam:
  • Christophe Gallois, assistiert von Clémentine Proby

Zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag ein Katalog in einer deutschen und einer englischen Fassung.

Dayanita Singh. Dancing with my Camera wird organisiert vom Gropius Bau in Zusammenarbeit mit dem Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, der Villa Stuck in München und dem Serralves Museum in Porto. Die Ausstellung findet anlässlich der 9. Ausgabe des Europäischen Monats der Fotografie in Luxemburg statt.